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Die Entstehung
Was verursacht ADHS?

"ADHS-Kinder sind nicht wirklich krank, sondern nur ein Produkt falscher
Erziehung und moderner Lebensgewohnheiten, bei denen Fernseher und Videospiel
schon längst Sport und Spiel im Freien abgelöst haben". Derartige Vorurteile
tauchen in der Diskussion um die Ursachen von ADHS immer noch häufig auf. Dabei
ist wissenschaftlich gut belegt, dass die Verhaltensstörungen von ADHS-Kindern
durch eine neurobiologische Funktionsstörung im Gehirn ausgelöst werden.

In den Gehirnabschnitten, die für die Konzentration, Wahrnehmung und
Impulskontrolle zuständig sind, ist das notwendige Gleichgewicht wichtiger
Botenstoffe gestört. Diese so genannten Neurotransmitter sind maßgeblich für die
Informationsverarbeitung ankommender Reize verantwortlich.(2)
Was passiert im Gehirn?

Eine wichtige Rolle bei der Signalübertragung von einer Nervenzelle zur anderen
spielen die beiden Botenstoffe Dopamin
und Noradrenalin. Man geht davon aus,
dass bei einer ADHS-Erkrankung Dopamin im Zwischenraum zwischen zwei
Nervenzellen, dem so genannten Synaptischen Spalt,
nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Die Unterversorgung mit diesem
Botenstoff führt zu einer gestörten Informationsweiterleitung zwischen den
Nervenzellen. Reize werden nur schlecht und unzureichend gefiltert. Dadurch
entsteht eine dauerhafte Reizüberflutung im Gehirn des Kindes. Die für ADHS
typischen Auffälligkeiten, wie unaufmerksames, impulsives und hyperaktives
Verhalten sind auf die Fülle einströmender, unsortierter Reize und deren
mangelnde Informationsverarbeitung zurückzuführen.(3)
Welche Faktoren begünstigen ADHS?

Die Lebensbedingungen der Kinder mit ADHS können sich verstärkend oder bessernd
auf die Verhaltensauffälligkeiten auswirken. Ein ungünstiges Lebensumfeld, z. B.
fehlende Zuwendung, ein gestörtes Familiengefüge und fehlende Strukturierung des
Alltags können Einfluss darauf nehmen, wie stark sich die Störungen ausprägen.
Solche ungünstigen Umweltfaktoren können jedoch niemals allein eine
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung auslösen. ADHS entsteht nur, wenn
auch entsprechende Anlagen vorliegen.(2)
Als weitere begünstigende Risikofaktoren für ADHS gelten:
Alkohol, Rauchen und andere Drogen in der Schwangerschaft, Probleme bei der
Geburt und Infektionen im Gehirn. Teilweise wird auch vermutet, dass Allergien
und Nahrungsmittelunverträglichkeiten ADHS verursachen könnten. Nach den
gegenwärtigen wissenschaftlichen Untersuchungen haben Nahrungsbestandteile (z.
B. Zucker, Phosphate, Milcheiweiß und Nahrungsmittelzusatzstoffe) jedoch keinen
nachweislichen Einfluss auf die Störung.(2) Lediglich bei einer sehr kleinen
Gruppe von Patienten scheint eine Diät eine Besserung der Symptome zu bewirken.
Ist ADHS erblich?

Neuere Studien weisen darauf hin, dass erbliche Faktoren bei ADHS eine wichtige
Rolle spielen. So wurde in Untersuchungen mit Zwillingen und Adoptivkindern im
Vergleich zu leiblichen Kindern festgestellt, dass etwa die Hälfte aller Eltern,
die selbst an ADHS litten, ein Kind mit dieser Erkrankung haben. Etwa 35 Prozent
der ADHS-Kinder haben einen Verwandten ersten Grades, der ebenfalls an der
Störung leidet.(1)
Dopamin:
Botenstoff im Gehirn (Neurotransmitter), der eine wichtige Rolle bei der
Reizübertragung von einer Nervenzelle zur anderen spielt
Noradrenalin:
Botenstoff (Neurotransmitter), der eine wichtige Rolle bei der Reizweiterleitung
im Gehirn spielt
Synaptischen Spalt:
Kontaktstelle zwischen zwei Nervenzellen, die der Informationsübertragung von
einer Nervenzelle zur anderen dient. Die Informationsübertragung erfolgt durch
chemische Botenstoffe, so genannten Neurotransmitter
1) Thapar A, Holmes J, Poulton K et al: Genetic basis of attention deficit
and hyperactivity. Br J Psychiatry 174:105-111, 1999.

2) Heiser P, Smidt J, Konrad K, Herpertz-Dahlmann B, Remschmidt H, Hebebrand J:
Ursachen der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Kinder- und
Jugendmedizin 3, 135-142, 2003

3) Huss M.: Medikamente und ADS. Urania Verlag Berlin, 52ff, 2002

4) Krause K-H, Dresel E, Krause J.: Neurobiologie der
Aufmerksamkeitsdefizit/-Hyperaktivitätsstörung. Psycho 4:199-208, 2000
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