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ADHS - Warum Medikamente wirken
Gehirn aus der
Balance
Als
Ursache von ADHS identifizierten Wissenschaftler in den letzten Jahren eine
Stoffwechselstörung im Gehirn. Bestimmte Regionen sind zu wenig aktiv - sie
liegen in einer Art "Dornröschenschlaf". Die verringerte Arbeitsleistung liegt
unter anderem daran, dass spezielle Botenstoffe zur Signalübertragung in zu
geringer Konzentration vorliegen. Das Gehirn reagiert auf zu viele
unterschiedliche Reize gleichzeitig und kann nicht mehr auswählen, auf welches
Ziel es sich konzentrieren soll.
Betroffen sind jene
Bereiche im Gehirn, die Antrieb und Motivation steuern, für Koordination und
Aufmerksamkeit zuständig sind, planerisches Denken und Organisationsleistungen
ermöglichen sowie überschießende Reaktionen auf Umweltreize verhindern
(Frontallappen, bestimmte Areale von Stammganglien und Kleinhirn).
Medikamente -
Chemische Nachhilfe
Es gilt also, die lokale
Unterfunktion auszugleichen und die schlummernden Regionen zu aktivieren. Und
hier setzen Medikamente an: Die Wirkstoffe erhöhen die Konzentration von Dopamin
oder Noradrenalin bzw. verzögern deren Abbau.
In rund 50 Prozent aller korrekt
diagnostizierten ADHS-Fälle sei eine Behandlung mit Medikamenten unbedingt
erforderlich, erklären Kinderärzte*. In etwa 75 Prozent der Fälle sei die
medikamentöse Therapie erfolgreich und oft die Vorraussetzung für eine
anschließende Verhaltenstherapie.
Am häufigsten werden Psychostimulanzien
eingesetzt; der wichtigste Vertreter ist Methylphenidat aus der Gruppe der
Amphetamine. Der Wirkstoff erhöht die Konzentration des Botenstoffs Dopamin und
regt die Gehirnareale zu mehr Aktivität an. Er fällt unter das
Betäubungsmittelgesetz und wird auf einem so genannten Betäubungsmittelrezept
(BTM-Rezept) verordnet.
Der neue Wirkstoff Atomoxetin stammt aus der
Antidepressiva-Forschung, wirkt aber nicht antidepressiv. Er ist ähnlich
effektiv wie Methylphenidat und steigert die Konzentration von Noradrenalin im
Gehirn bzw. verlangsamt dessen Abbau. Der Botenstoff bleibt länger aktiv und
sorgt dafür, dass die Signalübertragung wieder besser funktioniert. Atomoxetin
kann auf einem normalen Rezept verordnet werden.
Neuroleptika,
Beruhigungsmittel und bestimmte Stimulanzien (Amphetamin, Fenetyllin, Pemolin)
werden nur verordnet, wenn Methylphenidat und Atomoxetin nicht wirken.
Langsam höher
dosieren
Eine medikamentöse
Therapie ist nur dann sinnvoll, wenn sie langfristig und kontinuierlich erfolgt.
Sie kann über Jahre bis in das Erwachsenenalter andauern. Deshalb müssen die
Nebenwirkungen so gering wie möglich ausfallen (je geringer die Dosis, desto
geringer die Nebenwirkungen). Ärzte versuchen, für jeden Patienten die geringste
Dosis herauszufinden, die gut wirksam ist. Die Anfangsdosis liegt zunächst
niedrig und wird in regelmäßigen Abständen gesteigert.
Eltern, kleine Patienten
und andere Beteiligte müssen gut über die Wirkungsweise und mögliche
Nebenwirkungen der Medikamente Bescheid wissen - nur so gelingt eine effektive
Zusammenarbeit. Viele Nebenwirkungen sind für Außenstehende schwer erkennbar,
beispielsweise Kopf- oder Magenschmerzen. Kinder sollten sie bei sich selbst
erkennen und schildern lernen.
Therapiekontrollen
Wer mit
ADHS-Medikamenten behandelt wird, muss in regelmäßigen Abständen zur ärztlichen
Kontrolle (mindestens einmal pro Jahr). Haben sich die ADHS-Symptome über einen
längeren Zeitraum deutlich gebessert, prüft der Arzt, ob die Weiterbehandlung
notwändig ist.
In einem kontrollierten
Auslassversuch wird die Dosis des Medikaments schrittweise reduziert bis es
vielleicht ganz weggelassen werden kann. In Zusammenarbeit mit Eltern und
Lehrern wird das Verhalten genau analysiert und beurteilt. Manche Kinder können
dann möglicherweise auf Medikamente
verzichten.
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