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Der Umgang
Alle, die mit ADHS-Kindern umgehen, stehen täglich vor neuen
Herausforderungen. Es gibt praxisnahe und einfache Hilfen, wie man mit diesen
Kindern ein wenig leichter umgehen kann. So können ein strukturierter
Tagesablauf und bestimmte Verhaltensregeln das ADHS-Kind und seine Familie
unterstützen, besser mit der Erkrankung zurecht zu kommen. Hier ein paar Tipps,
wie der Alltag etwas einfacher zu bewältigen ist:
- Klare Regeln und Zeiten

Dem Alltag eine feste Struktur zu geben, ist für die betroffenen Kinder sehr
wichtig. Sinnvoll ist ein einfacher Wochenplan. Entscheidend ist, dass auch
Eltern, Lehrer und Erzieher sich selbst an einmal aufgestellte Regeln halten.
Nur so können sie dem Kind helfen, zum Beispiel Pläne zur gezielten
Vorbereitung auf Klassenarbeiten, für Hausaufgaben oder auch andere Aufgaben
einzuhalten. Stopp- und Erinnerungsschilder können beispielsweise für die
Hausaufgaben ("Achtung: Hausaufgabenzone") oder für kleinere, fest definierte
Aufgaben im Haushalt das Verantwortungsbewusstsein und den Spaß an der Sache
wecken.
- Das
Gespräch mit Lehrern suchen

Suchen Sie das Gespräch mit Erziehern und Lehrern.
Regelmäßige Gespräche ermöglichen, dass alle Beteiligten die
Situation des Kindes besser einzuschätzen lernen. Zudem können sie
zu einer positiven Beziehung zwischen Kind und Pädagoge beitragen
und mehr Verständnis für seine Besonderheiten erzielen. Bitten Sie
den Lehrer das Kind so zu setzen, dass er ständigen Kontakt zum Kind
herstellen und dessen Aufmerksamkeit immer wieder auf sich lenken
kann, eventuell sogar ohne Worte mit Hilfe von Signalkarten.
- Feste
Hausaufgabenabläufe

Feste Abläufe fördern die Konzentration und helfen dabei,
Ruhe zu schaffen. Sie eignen sich vor allem für die
Hausaufgabensituation: Hausaufgaben sollten immer am selben Ort und
zu der selben Tageszeit erledigt werden. Es empfiehlt sich ein
Wechsel von Arbeits- und Entspannungsphasen, zu Beginn
beispielsweise 10 Minuten Lernphase und dann drei Minuten zur freien
Verfügung. Zudem gelingen Hausaufgaben besser in reizarmer Umgebung:
Achten Sie darauf, dass Geschwister und Haustiere nicht im selben
Raum sind. Schirmen sie auch Geräusche soweit wie möglich ab:
Telefon, Computer und Fernseher sollten ausgestellt sein. Ein
aufgeräumter Schreibtisch, der frei von Spielzeug, Freizeitlektüre
und Lebensmitteln ist, wirkt reizärmer. Besonders hilfreich sind
Wochen- und Klassenarbeitspläne, die das Lernen strukturieren. Auch
eine Uhr oder Eieruhr kann helfen, die klar die Lern- und
Entspannungsphasen einläutet. Am Ende der Hausaufgaben sollte immer
der Schulranzen für den nächsten Tag gepackt und der Schreibtisch
aufgeräumt werden. Hausaufgaben sind für ADHS-Kinder besonders
anstrengend. Loben Sie Ihr Kind, wenn es sie erledigt hat.
- Belohnungssystem

Wirkungsvoller als Schimpfen und Bestrafen ist ein lobendes Verstärken der
positiven Verhaltensweisen. Loben und Belohnen sollten ebenso wie ein fester
Tagesablauf für das Kind berechenbar sein. Hilfreich kann ein spezieller
Belohnungsplan sein, der für alle sichtbar an der Zimmertür oder in der Küche
aufgehängt wird. Jedes belohnenswerte Verhalten wird mit einer entsprechenden
Punktzahl vermerkt und mit der vorher ausgemachten Belohnung "vergütet".
- Rückmeldung an die Kinder/Jugendlichen

Genauso, wie Belohnung immer direkt erfolgen sollte, darf auch Tadel oder eine
dem Versäumnis angemessene Strafe nicht aufgeschoben werden. Auf diese Weise
können die Kinder ein Gefühl dafür entwickeln, welche Folgen ihr Verhalten hat
- wenn sie sich an die Regeln halten oder auch wenn nicht. Im negativen Fall
hilft oft auch ein offenes Gespräch mit dem Kind, damit es verstehen lernt,
dass gerade etwas nicht richtig läuft.
- Freiraum für Bewegungsdrang

Da ADHS Kinder meist durch Hyperaktivität, also einen ausgesprochen
starken Bewegungsdrang auffallen, gilt es, diesen Bewegungsdrang in die
richtigen Bahnen zu lenken. Gezielte sportliche Aktivitäten sollten gefördert
werden, damit die Kinder mal richtig "Dampf ablassen" und sich austoben
können. Für konzentrierte Lernphasen bedeutet das auch, dass immer mal wieder
zwischendurch kurze Bewegungszeiten erlaubt werden müssen. Nach der Hälfte der
Hausaufgaben könnten ein paar Dehnübungen wie der "Hampelmann" oder "Greifen
nach den Vögeln in der Luft" den "inneren Motor" der ADHS-Kinder schon ein
wenig ruhiger laufen lassen.
- Positive Eigenschaften unterstützen und fördern
 ADHS-Kinder haben viele positive Eigenschaften und
Verhaltensweisen wie beispielsweise Kreativität und
Hilfsbereitschaft. Die Stärken zu erkennen, zu fördern und so häufig
wie möglich positiv einzusetzen, ist für Sie ein wichtige Aufgabe.
Unterstützen kann Sie dabei das "Tagebuch der großen und kleinen
Erfolge". Darin können Erfolge des Alltags dokumentiert werden. Dies
fördert die Motivation und das Selbstvertrauen des ADHS-Kindes.
- Zuneigung zeigen
 Trotz aller Probleme und Schwierigkeiten brauchen ADHS-Kinder viel Liebe und
Zuneigung. Sie müssen sie sehen und spüren können. Für Eltern, Lehrer und
Erzieher heißt das, dass sie dies immer wieder auch zeigen sollten. Die
besonderen Eigenschaften und Fähigkeiten von ADHS-Kindern - Kreativität,
Ideenreichtum und Spontaneität - sollten gefördert und gelobt werden. Das Kind
braucht das Gefühl, angenommen zu sein, und sollte immer wieder hören: "Es ist
gut, dass Du da bist!"
Wie kann das Kind während der Behandlung
begleitet werden?
Eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, Arzt, Therapeuten und
Lehrern ist ganz wesentlich für einen positiven Behandlungsverlauf. Die Eltern
werden sehr stark in den Behandlungsprozess eingebunden. In vielen Fällen bittet
sie der Arzt, in speziellen Fragebögen das Verhalten der Kinder während des
Behandlungsverlaufs zu dokumentieren. Das erfordert von den Eltern eine genaue
Beobachtung der Verhaltens Veränderungen ihrer Kinder während der Therapie.
Wünschenswert wäre auch ein enger Kontakt zwischen Eltern, Lehrern, Erziehern
und dem Arzt, damit die Entwicklung des Kindes auch in den Lebensbereichen
Schule und Familie beurteilt und individuell unterstützt werden kann. Der Erfolg
einer Behandlung zeigt sich nicht sofort. Wie bei vielen anderen Erkrankungen
auch ist der Therapieerfolg am größten, wenn sowohl die Behandlung als auch die
Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten über einen längeren Zeitraum
kontinuierlich erfolgen.
Was sollten die Eltern betroffener Kinder
bedenken?
Die oft schwierigen Momente im Zusammenleben und in der
Begleitung von ADHS-Kindern beanspruchen Eltern häufig sehr stark. Deshalb
sollten sie sich hin und wieder eine kleine Auszeit gönnen und auch ganz bewusst
etwas ohne ihr Kind unternehmen. Erholungsphasen sind wichtig, denn wenn die
Eltern gelassener mit Auseinandersetzungen umgehen können, geht es auch dem Kind
besser.
Kontakt zu anderen Eltern in einer Selbsthilfegruppe kann
helfen. Dort können Erfahrungen und Probleme ausgetauscht sowie Hilfs- und
Informationsangebote genutzt werden. In der Gemeinsamkeit mit anderen
Betroffenen wird beruhigend deutlich, dass man nicht allein ist und dass auch
andere Eltern Probleme in der Bewältigung des Zusammenlebens mit ihren
ADHS-kranken Kindern haben.
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